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Also, ich bin 24 und habe vor vier Jahren meinen Sohn zur Adoption freigegeben. 

Zum Anfang der Geschichte: 

Ich wa r vier Jahre lang in einer Beziehung gefangen, in der mein "Freund" mich schlug, vergewaltigte, mein Leben teilweise bedrohte und einfach nicht zuließ, dass ich mich trennte. Ich lernte dann im Herbst 2003 jemanden kennen, der mich sofort verstand, auch meinen „Freund" kannte und sah, was los war mit mir – obwohl ich es sonst immer so gut verbarg.

Stephan und ich verstanden uns sofort gut und hatten eine sehr lustige Zeit zusammen mit vielen Parties, viel Spaß, vielen Leuten. Ich hatte endlich wieder das Gefühl zu leben, gemocht, geachtet und begehrt zu werden und genoss das Ganze sehr. Ich kann nicht sagen, dass wir uns geliebt hätten ( zunächst ging es nur um den Spaß) aber nach kurzer Zeit waren wir auch ein Stück weit verliebt und hatten wirklich eine schöne Zeit. Er sorgte auch dafür, dass mein "Freund" mich gehen ließ. 

Anfang 2004 nahm unser "Verhältnis" dann eine Wende. Für etwas festes war es einfach nict genug, glaube ich. Ich wäre auch nicht fähig gewesen, mehr zu fühlen. Und die Zeit für das, was wir hatten, war einfach abgelaufen. So beendeten wir das Ganze und hatten von diesem Zeitpunkt an auch keinen Kontakt mehr. 

Dann begann ich langsam mit dem Versuch, meine Vergangenheit zu verarbeiten und begann auch ein Praktikum in einem Betrieb, in dem ich im Sommer eine Ausbildung beginnen sollte. Ich wollte das auch unbedingt, denn ich wollte nicht zulassen, dass meine Vergangeit mich zerstört.. Mir war dann häufig übel und ich hatte auch öfter mal Bauchschmerzen (im Nachhinein), aber an eine Schwangerschaft wollte ich nicht denken. Ich hatte nach dem Ende meines "Verhältnisses" aufgehört die Pille zu nehmen und dachte auch nur, es könnte ja nicht sein. Meine Regel bekam ich weiter, wenn auch unregelmäßig. 

Von Zeit zu Zeit dachte ich wehmütig an die Zeit mit dem Vater (wir hatten in einer romantischen Stunde sogar mal über Kinder gesprochen) - dann verdrängte ich das Ganze wieder. Ich habe definitiv nicht bewusst gewusst, dass ich schwanger bin, bis ich schließlich Wehen bekam, ins Krankenhaus fuhr und meinen Sohn bekam. Ich habe es nicht geschafft ihn anzusehen und direkt gesagt, dass ich ihn nicht behalten will. Also wurde er auch gleich weggebracht und ich durfte ein paar Stunden später nach Hause.

Ich hatte die Schwangerschaft tatsächlich so verdrängt, dass ich sie nicht bemerkte. Ich war wie in Trance in den zwei Wochen, die ich krankgeschrieben war und wollte mich nicht damit auseinandersetzen, dass ich ein Kind zur Welt gebracht hatte. Ich war so tot in mir drinnen, nicht fähig, etwas zu fühlen. Und meine Vergangenheit hatte ich längst noch nicht verarbeitet.

Das Jugendamt ließ nicht lang auf sich warten. Ich wurde über einige Möglichkeiten informiert (Mutter-Kind-Heim, Pflege, vorübergehende Pflege und auch Adoption), die sich mir nun boten. Ich kann an dieser Stelle auch nur sagen, dass das Jugendamt die Adoption als allerletzte Möglichkeit sah und mich von einer anderen Lösung überzeugen wollte. Außerdem wurde mir dazu geraten, mir meinen Sohn anzusehen und mich zu verabschieden, wenn ich mich wirklich fürs Weggeben entscheiden würde. Ich durfte dann nach Beschreibungen die Adoptiveltern aussuchen. Und ich durfte mir einen Namen aussuchen, den der Kleine dann für immer von mir haben sollte. 

Ich habe es nicht geschafft, ihn mir anzusehen - ich hätte es dann vielleicht nicht geschafft, bei meiner Entscheidung für die Adoption zu bleiben. Ich musste die Entscheidung schnell treffen und habe auch die acht Wochen zwischen Geburt und Unterzeichnung Abgabe permanent gegrübelt. So schwer es mir fiel, es war die einzige Lösung. Ich war nicht in der Lage, dieses kleine Wesen zu lieben. Ich war nicht mal in der Lage, mich selbst zu lieben, immer hatte ich die Bilder von den Schlägen, Vergewaltigungen im Kopf. Und ich hatte nichts, noch nicht mal eine Ausbildung. Keinen Vater dazu. Und zuletzt wollte ich auch mein Umfeld nicht enttäuschen. Und ich hatte sofort im Kopf, der Kleine wäre von meinem Ex. Nachgerechnet habe ich erst viel später – und da stellte sich heraus (vom Arzt bestätigt), dass es nicht der Fall war. Stephan ist definitiv der Vater.

Und somit war es getan. Der Notar las mir irgendetwas vor, ich setzte meine Unterschrift darunter und das war´s. 

Einige Monate ging es mir nicht gut, ich quälte mich mit dem Gedanken, ein schlechter Mensch zu sein, es nicht verdient zu haben, glücklich zu sein. Ich redete in dieser Zeit ein wenig mit guten Freunden (nicht mit vielen) und ich bekam ein schlechtes Gewissen Stephan gegenüber. 

Nach etwa einem halben Jahr ging ich zu ihm und erstaunlicher Weise freute er sich gleich, mich zu sehen, obwohl wir nicht den geringsten Kontakt in den vergangenen 1/1/4 Jahren hatten. Als ich ihm die Geschichte dann beichtete, reagierte er ganz toll, nahm mich in den Arm und war sehr verständnisvoll. Er konnte mich verstehen, machte keine Vorwürfe. Und er wollte alles genau wissen, bot an, sich auch noch nachträglich eintragen zu lassen. Wir kamen uns dann auch wieder näher, allerdings nur ca. drei Wochen. Das ist jetzt gute drei Jahre her und seitdem haben wir keinen Kontakt mehr gehabt. 

Heute geht es mir ganz gut. Die Phasen des Trauerns/der Schuld sind in den Hintergrund gerückt. Ich weiß, ich habe für mich und Lukas das Richtige getan. Ich denke sehr oft an den Kleinen, vermisse ihn sehr, auch wenn das komisch klingen mag. Ich beginne langsam auch, es als Teil von meiner Vergangenheit zu akzeptieren, auch wenn ich manchmal noch die „was-wäre-gewesen-wenn"-Frage stelle. 

Ich habe vor einigen Wochen einen lieben Brief vom Jugendamt erhalten, die fragten, wie es mir geht. Außerdem war ein lieber Brief mitsamt einigen Fotos von den Adoptiveltern dabei. Der Kleine sieht so glücklich aus und jetzt weiß ich, alles ist gut so. Und ich weiß auch, ich werde ihn irgendwann kennenlernen. Ich weiß, es wird schwierig werden und ich weiß nicht, ob er überhaupt jemals Kontakt will, aber ich bin mit der Geschichte im Reinen und weiß jetzt, dass ich ihn lieben kann - wenn auch natürlich auf eine sehr entfernte Art und Weise. Und dafür bin ich dankbar.

Namen und Einwilligung liegen mir vor.Aus diversen Gründen wur
de es Anonym geschaltet

 



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